
Im Schuljahr 2002 / 2003 erprobt die Humboldtschule in Biologie, Geschichte / Sozialkunde und Erdkunde "Englisch als Arbeitssprache". In den Klassen 7-10 werden in einem dieser Fächer in jedem Halbjahr ca. sechsstündige Unterrichtseinheiten in englischer Sprache durchgeführt.
Abiturienten, die nicht Leistungskurse im Fach Englisch absolviert haben, zeigen hinsichtlich der Sprechbereitschaft, der Präsentationsfähigkeit und der Fähigkeit, englische Forschungsliteratur selbstständig auszuwerten und englisch vorgetragene Texte zu verstehen, allenfalls befriedigende Fähigkeiten.
Offensichtlich erschwert im regulären, der sprachlichen Richtigkeit verpflichteten Englischunterricht die Angst vor sprachlichen Fehlern das freie Sprechen. Der Englischunterricht betrachtet die Fremdsprache in erster Linie nicht als Mittel zum Zweck internationaler Verständigung, sondern eher als Instrument für die Vermittlung grammatischer und landeskundlich-kultureller Kenntnisse (die zweifellos zum modernen Bildungskanon gehören und nicht eingeschränkt werden dürfen).
Der Fachbereich Englisch der Humboldtschule erwartet, dass Schüler weniger Sprechhemmungen haben werden, sobald nicht die fremdsprachliche Korrektheit, sondern Themen aus den genannten Sachfächern im Mittelpunkt des Interesses stehen. Wir stützen uns mit dieser Erwartung auf Erfahrungen mit unseren Grundkursen Enquiry and Performance, in denen die Schüler häufig aus eigenem Antrieb fachsprachliches Vokabular und idiomatische Wendungen für wirkungsvolle Präsentationen lernen und verwenden, und auf Erfahrungen mit unserem Schulversuch Technik und Natur, in dem der erarbeitete Sachverhalt in englischsprachigen Sequenzen wiederholt wird.
In "Englisch als Arbeitssprache" werden die Leistungen in Englisch nicht bewertet. Um eine indirekte Auswirkung auf die Bewertung der Schüler durch den Englischlehrer auszuschließen, soll auch der Englischlehrer der Klasse in ihr nicht Englisch als Arbeitssprache unterrichten. Bewertet werden die Leistungen in den Sachfächern ungeachtet der Tatsache, dass sie in Englisch erbracht worden sind. Die Unterrichtseinheiten schließen mit einer Note ab, die im Verhältnis der Stundenzahl zur Halbjahresstundenzahl des Faches in den allgemeinen ("mündlichen") Teil der Leistungsbewertung eingeht.
Das Modell der Humboldtschule weicht von den bisher definierten Rahmenbedingungen für den bereits in Berlin bestehenden Schulversuch "Förderung der Fremdsprachenkompetenz in Sachfächern" ab. Es ist tendenziell in jeder Klasse realisierbar und erfordert nicht die Einrichtung nach Leistungsfähigkeit zusammengestellter Klassen.
Während in dem genannten Schulversuch dadurch, dass ein Sachfach für ein Schuljahr in Englisch unterrichtet wird, eine fachsprachliche Vertiefung und Spezialisierung zu erwarten ist, wird in unserem Vorschlag Wert auf größere Vielfältigkeit der auf Englisch zu bewältigenden Situationen und Fächer gelegt und die Bevorzugung einer Fachrichtung vermieden.
Auch wird die Begegnung mit der Fremdsprache in Sachfächern nicht isoliert auf eine Jahrgangsstufe beschränkt, sondern wird in jeder Klassenstufe ermöglicht. Wir erwarten dadurch eine größere Selbstverständlichkeit des Gebrauchs von Englisch als Arbeitssprache.
Dies bereitet die Schüler auf unser Projekt Enquiry and Performance vor, in dem durch die entsprechende Gestaltung des Unterrichtes der Englisch-Grundkurse die durch die Leistungskurswahl manifestierten fachlichen Interessen der Kursschüler berücksichtigt werden.
Dr. Hinrich Lühmann (Text); Renate Schulte (Darstellung), August 2002
Unser Informationssystem wird realisiert mit open-Source-Software: LINUX, MySQL, PHP
©Humboldt-Gymnasium Berlin-Tegel
Renate Schulte, Bernd Kokavecz
Impressum