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Universität und Schule

Humboldt-Lectures in der Aula

"Stammzellen, Reprogrammieren, geklonte Menschen? die Medizin der Zukunft?"

In der 15. Humboldt-Lecture in unserer alten Aula sprach Prof. Dr. Rudolf Jänisch vom Massachusetts Institute of Technology, Cambridge, USA über "Stammzellen, Reprogrammieren, geklonte Menschen ? die Medizin der Zukunft?".

Rudolf Jänisch studierte in München Medizin und arbeitete dort nach seiner Promotion am Max-Planck-Institut für Biochemie. Er forschte in der Folge an der Princeton University und am Salk-Institut in Kalifornien. Von 1977 bis 1984 leitete er die Abteilung für Tumorvirologie des Heinrich-Pette-Instituts für Experimentelle Virologie und Immunologie an der Universität Hamburg. 1984 folgte er einem Ruf an das Whitehead-Institut für biomedizinische Forschung. Rudolf Jänisch ist einer der einflussreichsten Wissenschaftler seines Fachs, er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet (z.B.: 1996 Boehringer Mannheim Molecular Bioanalytics Prize, 2001 First Peter Gruber Foundation Award in Genetics, 2002 Robert Koch Prize for Excellence in Scientific Achievement, 2009 Ernst Schering Preis) und ist Mitglied namhafter wissenschaftlicher Gesellschaften.

Rudolf Jänisch arbeitet über die Genetik der Maus und leistete wesentliche Beiträge zum Verständnis der Reprogrammierung. Bei diesem Prozess werden die epigenetischen Markierungen auf dem Erbmaterial der "alten" Hautzellen erneuert und die chemischen Veränderungen am Verpackungsmaterial des Erbguts exakt so rückgängig gemacht, dass das Ergebnis molekularbiologisch und morphologisch embryonalen Stammzellen gleicht. Es war hier besonders wichtig aus dem Gemisch unterschiedlich gut reprogrammierter Zellen genau die Zellen herauszufiltrieren, deren Pluripotenz sich als besonders stabil erwiesen hat. Auf diese Weise können induzierte pluripotente Stammzellen erzeugt wurden, die pluripotenten embryonale Stammzellen sehr ähnlich sind, aber nicht aus Embryonen stammen.

Die deutsche Stammzellforschung wird durch die gesetzlichen Vorgaben behindert. Auch in den Vereinigten Staaten ist die Stammzellforschung umstritten, aber weil dort kein vergleichbares Gesetz erlassen wurde, kann die amerikanische Forschung mit Hilfe privater Gelder machen, was sinnvoll ist. In Deutschland ist das verboten. Es war uns deshalb eine besondere Freude Rudolf Jänisch zu Gast zu haben, weil wir der Schülerschaft unserer Schule auf diese Weise einen Einblick in brillante Spitzenforschung auf internationalem Niveau geben können, wie sie in Deutschland derzeit kaum möglich ist. Das Humboldt-Gymnasium dankt der Schering-Stiftung und ihren Vorstand, Herrn Dr. Klein, ganz herzlich für ihre freundliche Unterstützung.

Dr. Harald Paland