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Universität und Schule

Humboldt-Lectures in der Aula

"Die Hand hat gedacht"

Prof. Dr. Horst Bredekamp (Humboldt-Universität, Berlin) hielt am 25. Januar 2008 vor Schülerinnen und Schülern der Sek. II sowie interessierten Kollegen und Gästen einen Vortrag mit dem Thema "Galilei und die Schmerzen der Augen".

Prof. Dr. Horst Bredekamp, international renommierter Vertreter des Fachgebiets Bildwissenschaften, Professor für Kunstgeschichte an der Humboldt-Universität, Berlin hielt am 25.1.2008 vormittags, während der Schulzeit einen Vortrag in der mit Oberstufenschülern und einigen Kollegen voll besetzten Aula der Humboldtschule. Leistungskurse verschiedener Unterrichtsfächer (Kunst, Deutsch, Biologie, Chemie..) hatten sich auf unterschiedliche Art, z.B. durch Lektüre von Texten und Interviews von H.Bredekamp auf die Lesung vorbereitet.

So war zunächst eine gewisse Enttäuschung verständlich, weil Prof. Bredekamp sich nur auf seine neueste Publikation über Galileo Galilei den Künstler bezog. In seinem ca. 50 minütigen Vortrag über "Galilei und die Schmerzen der Augen" entwarf er ein spannendes historisches Bild von Galilei als Zeichner und bewertete das Zeichnen als einen Erkenntnisvorgang. Belegt wurden die Aussagen durch zahlreiche Abbildungen von Galileis Sonnenfleckenzeichnungen. Hierbei wurde durchaus anschaulich, dass Sehen und Zeichnen Grundlagen der Erkenntnis sind. Nebenbei wurde auch der hohe ästhetische Wert von Galileis Zeichnungen anschaulich, die in einer "wabernden Aquarelltechnik" ausgeführt sind.

Nach einer Pause gab es Gelegenheit zu Fragen an den Bildwissenschaftler. Etwa die Hälfte der Schüler war geblieben und hätte sicherlich noch weiter Auskunft erbeten, wenn Herr Dr. Paland nicht nach angemessener Zeit der Veranstaltung ein Ende und Herrn Prof. Bredekamp etwas Ruhe gegönnt hätte. Denn die zahlreichen Fragen der Schüler wurden ausführlich, wissenschaftlich präzise und fachsprachlich dennoch verständlich beantwortet. Es wurde klar, dass die Visualisierung zu einem alle Bereiche durchdringenden Mittel der Kommunikation und des Denkens geworden ist und auf eine unvorbereitete Gesellschaft trifft. In seinen Texten verwendet Horst Bredekamp den Begriff "Anikonismus", gemeint ist eine Art visueller Analphabetismus. Eine Schulung des Sehvermögens ist nötig.

Der Stellenwert des Zeichnens, also des Arbeitens mit der Hand ("die Hand zeichnet, der Körper nimmt unmittelbar am Denkprozess teil") wurde als eine Form des bewussten Umgangs mit Bildern hierbei nochmals deutlich. Bredekamp betonte, man könne der Menge an Bildern ("einen Poller in die Bilderflut schlagen") nur etwas entgegensetzen indem man alle visuellen Phänomene ernst nimmt, das Spezifische von Bildern durch verbale Beschreibung der Form und durch Zeichnen erfasst. Dieser hochkemplexe Vorgang benötigt Zeit und Geduld, denn im Gegensatz zur schnellen und emotionalen Wirkung von Bildern benötigt ihre Entschlüsselung Erfahrung und eine Auseinandersetzung mit dem - auch historischen - Bildschatz der Welt.

Johannes Neuhann